«Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen»
So hat die so genannte Brundtland-Kommission der UNO 1987 in ihrem Bericht «Unsere gemeinsame Zukunft» den Begriff «Nachhaltige Entwicklung» umschrieben.
Auf der Grundlage dieses Berichts haben 1992 rund 180 Staaten am UNO-Gipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro unter anderem die «Agenda 21» unterzeichnet. Die «Agenda 21» enthält Ansatzpunkte zu Massnahmen für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch verträgliche Entwicklung.
Auch die Schweiz hat die «Agenda 21» unterzeichnet: Was global gilt, gilt also ebenfalls für die Schweiz und den Kanton Bern und ist auch in der Gemeinde Trachselwald zu einem Schlagwort geworden. Sowohl in der neuen Bundesverfassung von 1999 wie auch im Leitbild der Gemeinde Trachselwald ist die Förderung der nachhaltigen Entwicklung ein zentrales Ziel.

Folgende Gedanken liegen der Nachhaltigen Entwicklung zugrunde:
- Von den Zinsen leben und nicht vom Kapital
Nachhaltige Entwicklung bedeutet, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Solidarität gestärkt und gleichzeitig der Umwelt- und Ressourcenverbrauch auf ein dauerhaft tragbares Niveau gesenkt werden - Ganzheitliches Denken und Handeln
Wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Prozesse sind vernetzt zu betrachten. Das Handeln öffentlicher wie auch privater Akteure darf nicht isoliert und eindimensional erfolgen, sondern muss die Auswirkungen auf alle Dimensionen berücksichtigen
- Handlungsspielraum für zukünftige Generationen bewahren
Die Auswirkungen des heutigen Handelns auf die Zukunft sind einzuberechnen, damit die kommenden Generationen ihre Bedürfnisse auch decken können.
Nachhaltige Entwicklung bedingt einen umfassenden Blick. Zusammenhänge müssten gesehen und gegenseitige Wechselwirkungen erkannt werden. Auch vordergründig unpopuläre Visionen müssten unvoreingenommen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden.
Ich will versuchen, dies an einem Beispiel zu erläutern:
An der Gemeindeversammlung vom Dezember 2015 sollte der Vorschlag des Gemeinderates abgesegnet und einem Verkauf des Schulhauses Thal zugestimmt werden. Das Geschäft war jedoch einigermassen schlecht vorbereitet, die Verkaufsargumente wenig durchdacht, so dass die Stimmbürger mit überwältigendem Mehr einem Rückweisungsantrag zustimmten. Das Resultat darf aber nun nicht so gedeutet werden, dass die Bürger das Schulhaus nicht verkaufen wollten. Vielmehr konnten sie nicht entscheiden, weil sie die dazu notwendigen Informationen nicht erhielten:
- Wie entwickeln sich die Schülerzahlen in den nächsten 5 – 10 Jahren
Das Schulhaus Kramershaus platzt aus allen Nähten. Die Geburtenzahlen in der Gemeinde sind bekannt und es ist absehbar, dass der vorhandene Schulraum nicht ausreichend sein wird. Wie und vor allem wo soll neuer Schulraum geschaffen werden? Mit welchen Folgekosten muss gerechnet werden? - Immer wieder geistert die Idee eines Oberstufenzentrums in Sumiswald herum. Macht es Sinn, in Heimisbach eine Oberstufenklasse zu erhalten. Die Qualität einer Schule ist auch abhängig vom Angebot, welches die Schule machen kann. Ich denke hier besonders auch an das Angebot an Wahlfächern. Je grösser eine Schule ist, desto grösser ist der Pool an Lektionen, die eine Schule anbieten kann. Aktuell kann im Heimisbach aufgrund der geringen Schülerzahlen nur ein sehr beschränktes Angebot an Wahlfächern organisiert werden. Dadurch wird die Chancengleichheit der Kinder aus Heimisbach ausgehebelt.
Nach dem neuen Schulreglement können heute Kinder, welche in einem Hauptfach Sek.-niveau haben, die Oberstufe in Sumiswald besuchen. Damit dürfte natürlich das Leistungsniveau der Oberstufe in Heimisbach sinken. Wenn die gesamte Oberstufe nach Sumiswald „zügeln“ würde, würde dies den Standort Sumiswald stärken und zugleich die Chancengleichheit der Schüler aus Heimisbach verbessern. Dazu kommt, dass mit dieser Lösung der Schulraum in Kramershaus wohl ausreichen sollte. Geringere Kosten durch Einsparung einer Schulklasse in Heimisbach – Einsparungen, weil ein Klassenzimmer weniger unterhalten werden muss – Einsparungen, weil kein zusätzlichen Schulraum gebaut werden muss stehen einem Mehraufwand (Schülertransporte, Schulgelder) gegenüber. Geringere Kosten durch Einsparung von Lehrerlöhnen stehen Steuerausfällen gegenüber. Dieses Szenario müsste wohl einmal detailliert durchgerechnet, Vor- und Nachteile abgewogen werden. - Obenstehend erwähnte ich den Kostenfaktor „Schülertransporte“. Diese werden heute mit dem öffentlichen Verkehr abgedeckt, der damit erhalten werden kann. Doch – ist dieser wirklich erhaltenswert? Die Gemeinde bezahlt an den ÖV einen Betrag von ca. 50’000.-, überdies vergütet sie Beiträge an die Abos der Schulkinder. Ich kenne die Gesamtbeträge nicht, die so aufgewendet werden müssen.
Wenn wir die Schulkinder mal ausklammern, wem dient der ÖV sonst eigentlich noch, wie viele Gemeindebürger benutzen ihn? Das Fahrplanangebot ist nicht gerade umwerfend, das Wochenende wird gar nicht mehr abgedeckt. Könnten die Bedürfnisse nicht besser mit einem Rufbus abgedeckt werden, wie er sich auch andernorts bestens bewährt hat. Dieser könnte zugleich auch die Schülertransporte abdecken und könnte zudem sogar noch Arbeitsplätze in der Gemeinde schaffen oder erhalten. Wie sieht in diesem Szenario die Kostenwahrheit aus?